E-Partizipation gesamtstrategisch denken!
Dazu allerdings muss die Politik sehr schnell lernen, solche Prozesse selbst zu lenken. Und sie muss das Internet als echtes Instrument des strategischen Regierens erkennen. Oder sie wird eine Getriebene bleiben."
(aus: Wenn User mitregieren von Karsten Polke-Majewsk, Zeitonline, 10.6.2010)
War es noch vor einigen Jahren so, dass nur eine vergleichsweise kleine Gruppe von Teilnehmern in der Lage war, im Internet sich nicht nur zu informieren, sondern auch eigene Inhalte zu veröffentlichen, so hat sich mit der Web 2.0 Bewegung dieses Verhältnis dramatisch verändert. Die Zahlen derjenigen, die Web 2.0-Dienste wie Facebook, Twitter, Wikipedia, Youtube usw. aktiv nutzen, gehen mittlerweile in die Millionen und es werden täglich mehr. Dieser Wandel von einer eher passiven hin zu einer aktiven Nutzung des Internet hat sicherlich viel damit zu tun, dass es heute auch für den technisch nicht besonders Versierten möglich ist, an der Erzeugung und Weitergabe von Inhalten im Netz mitzuwirken („user generated content“). Offenbar gibt es aber auch bei immer mehr Nutzern das Bedürfnis sich mitzuteilen, Gleichgesinnte zu finden und an gemeinsamen Projekten mitzuwirken.
Die Kommunen in Deutschland haben dieser Entwicklung lange Zeit nur als „Zaungast“ beigewohnt. Sie haben sich weitgehend darauf beschränkt, das WWW wie einen elektronischen Behördenanzeiger zu nutzen, um zuvor ausgewählte Informationen und Hinweise an die Bürger weiterzugeben. Das Internet wurde so zur Einbahnstraße; die Gegenfahrbahn blieb ungenutzt. Mittlerweile sind jedoch auch Kommunen dazu übergangen, sich aktiver in das mediale Geschehen einzumischen und das Thema E-Partizipation als relevanten Bestandteil der E-Government-Initiative zu verstehen.
Immer mehr Kommunen entschließen sich, nicht nur Informationen an die Bürger weiterzugeben, sondern auch Informationen über den und vor allem von dem Bürger einzuholen. Sie haben erkannt, dass sie die Gestaltung dieses zusätzlichen, jedoch immer wichtiger werdenden öffentlichen Raumes nicht ausschließlich der Web 2.0 Generation oder der Wirtschaft überlassen dürfen. Deshalb darf auch behauptet werden, dass sie die eigentlichen politischen Aktivitätszentren darstellen, die sich dem Thema der elektronisch unterstützten Bürgerbeteiligung widmen.
Mit diesem Einstellungswechsel und der Eröffnung einer „Gegenfahrbahn“ für den Bürger verbinden sich jedoch weit reichende Herausforderungen. Um sich in Hinblick auf den Medienwandel zukunftsfähig fähig zu machen, reicht es nicht aus, zusätzlich zu den vorhandenen Webseiten der Kommune einige technische Beteiligungsmodule anzubieten. Ebenso wenig sollten Beteiligungsverfahren als gelegentlich durchzuführende Veranstaltungen, als ein Geschenk an die Bürger verstanden werden.
Die Idee, den Bürger nach vielen Jahren der Entwöhnung von der Politik wieder stärker an das politische Geschehen heranzuführen, sein Wissen, seine Erfahrungen und seine Meinungen für die Lösung kommunalpolitischer Probleme produktiv zu nutzen, hat nur dann eine nachhaltige Realisierungschance, wenn entsprechende Beteiligungsverfahren in die Planungs- und Entscheidungsabläufe einer Kommune integriert werden. Daher ist es wichtig, dass alle Aktivitäten in Richtung Web 2.0 und E-Partizipation einer gesamtstädtischen Strategie folgen. Nur so lässt sich die für das Thema E-Partizipation so wichtige Integration in übergeordnete Prozesse der Verwaltungsmodernisierung (E-Government) erreichen, Qualitätsstandards für elektronische Partizipation definieren und umsetzen, und nur so lassen sich systematisch Verfahren, konzeptionelles und methodisches Know-how entwickeln, um die Bürgerinnen und Bürger als Wissensträger in Planungs- und Entscheidungsprozesse integrieren.
Ihr Ansprechpartner: Dr. Oliver Märker
E-Partizipation gesamtstrategisch denken!
Zebralog unterstützt Sie bei der Entwicklung Ihrer E-Partizipations-Strategie
Wir helfen Ihnen bei der Herausarbeitung Ihrer Ziele und bei der Entwicklung entsprechender Verfahren, Methoden und Qualitätsstandards. Wir analysieren Ihre Ausgangssituation und bereits vorliegende Erfahrungen.
Methoden:
- Strategiegespräche und -workshops
- Qualitative, halbstandardisierte Interviews
- Prozessanalysen und -visualierung
- Dokumentenanalyse
Ergebnisformen:
- Gutachen
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Ihr Ansprechpartner:
Dr. Oliver Märker